Vollnarkose
Die Vollnarkose ist nicht ungefährlich und stellt eine außergewöhnliche Belastung für den Körper dar. Neben Komplikationen aufgrund der Vollkarnose selbst kann es besonders zu Schwierigkeiten durch die Wechselwirkung mit Vorerkrankungen kommen. Diese gilt es daher stets in den Vorgesprächen zu klären und es sollten auf keinen Fall irgendwelche Vorerkrankungen verschwiegen werden. Die auf eine Vollnarkose zurückzuführende Sterberate liegt bei 0,05 %, d. h. bei 1 von 20.000 durchgeführten Narkosen.
Nebenwirkungen und Komplikationsmöglichkeiten von Narkosen sind beispielweise:
• Postoperative Übelkeit und Erbrechen - PONV (von postoperative nausea and vomiting)
Die Häufigkeit von Übelkeit und Erbrechen nach der Operation ist sehr hoch. Am häufigsten kommt es bei Nichtrauchern, Frauen und Menschen vor, die generell schnell unter Reisekrankheit leiden, schon einmal eine PONV hatten oder wenn hohen Dosen an Opioid (Schmerzunterdrücker)nach der Operation verabreicht werden. Das Risiko eine PONV lässt sich jedoch durch eine vollständige intravenöse Anästhesie (TIVA) mindern. Vom Einsatz von volatiler Anästhetika und Lachgas sollte abgesehen werden, da sie das Risiko erhöhen.
• Intubationsschäden
Durch das Einlegen des Tubus (Beatmungsschlauches) in die Luftröhre wird oftmals ein Laryngoskop verwendet wodurch es in seltenen Fällen zu einer Schädigung der Oberkiefer-Frontzähne, des Rachen oder des Kehlkopfs kommen kann. Wahrscheinlicher sind anschließende Heiserkeit und Schluckbeschwerden. Anstatt eines Trachealtubus kann der Einsatz einer Larynxmaske die Häufigkeit dieser Komplikation vermindern.
Ein weiterer Intubationsschaden sind Fehlintubationen. Zum Zwecke der Beatmung wird normalerweise das Ende des Beatmungstubus in der Luftröhre platziert. Bei der Ösophagusintubation wird der Tubus fehlerhaft in die Speiseröhre (Oesophagus) eingeführt. Damit kann der Gasaustausch nicht stattfinden. Bei einer endobronchiale Intubation gelangt das distale Tubusende in einen der Hauptbronchien oder tiefer. Folge ist zumindest eine einseitige Ventilation mit resultierender pulmonaler Shuntdurchblutung. Eine dritt Fehlintubation kann eine tracheale Verletzung sein, bei der das Tubusende nach paratracheal gelangen. Jedoch kommt dies extrem selten vor.
• Aspiration von Mageninhalt
Die Aspiration von Mageninhalt ist eine der schlimmsten Komplikationen die während der Narkose auftreten können.
Während der Narkose sind die Schutzreflexe außer Kraft gesetzt. Sollte es vorkommen, dass sich der Inhalt des Magens sich teilweise in den Rachen entleert und zusätzlich in die Luftröhre und Lunge gelangt kann dies Folgen haben. Größere Brocken an Nahrung können die Luftwege blockieren und die Atmung beeinträchtigen. Im ungünstigsten Fall ist die Blockade so groß, dass weder Atmung noch Beatmung möglich sind. In diesem Fall ist die Komplikation dringend zu beheben, da sonst das Leben des Patienten gefährdet ist. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass Magensaft in das Lungengewebe gelangt, wodurch es zu Folgeschäden wie z.B. einer Lungenfibrose kommen kann. Aus diesen genannten Gründen wird auch stets eine präoperative Nüchternheit angeordnet. Diese beinhaltet, dass der Patient in den 6 Stunden vor der Operation auf jegliches Essen verzichtet und in den letzten 2 Stunden vor der Operation nur noch bis zu 450ml einer dünnflüssigen Flüssigkeit zu sich nehmen darf.
• Intraoperative Wachzustände
Über die Häufigkeit von Wachzuständen während einer Vollnarkose liegen Statistiken mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen vor. Wachzustände sind generell nicht auszuschließen wobei zwischen Wachzuständen mit oder ohne Erinnerung unterschieden wird. Letzteres kommt am häufigsten vor. Die Ursache für Wachzustände sind eine ungenügende Bedarfsdeckung an Narkosemitteln die entweder durch eine falsche Einschätzung, Wechselwirkung mit anderen Substanzen oder Versagen der technischen Geräte (Gasversorgung) vorkommen kann. Glücklicherweise gibt es heutzutage eine Reihe an EEG Geräten mit denen sich die Tiefe der Narkose während der Operation verfolgen lässt und bei Bedarf ein frühzeitiges Handeln ermöglicht.
• Shivering
Shivering bezeichnet ein Kältezittern das oftmals nach der Operation auftreten kann. Dieses Zittern ist vor allen Dingen auf den extremen Wärmeverlust des Körpers während der Narkose zurückzuführen, welches der Körper versucht auszugleichen. Patienten fühlen sich dadurch unwohl und bei Patienten mit Vorerkrankungen können Komplikationen der Herz-Kreislaufsystems ausgelöst werden. Zur Verhinderung solcher ungewünschten Nebeneffekte existieren jedoch sichere Maßnahmen.