Schamlippen
Eine Schamlippenkorrektur (auch Schamlippenplastik, Schamlippenverkleinerung oder Labiaplastie) bezeichnet in der Regel die chirurgische Reduzierung, Remodifizierung oder Entfernung der inneren (kleinen) Schamlippen. Auch an den äußeren (großen) Schamlippen oder dem Venushügel sind operative Veränderungen möglich, werden jedoch eher selten durchgeführt. In seltenen Fällen wird die Operation aus medizinisch notwendigen Gründen durchgeführt, meist handelt es sich um eine Schönheitsoperation.
Operation
Schamlippenverkleinerung (innere Schamlippen)
Der Eingriff erfolgt meist ambulant und unter lokaler Betäubung. Das als „überschüssig“ betrachtete Gewebe, das ist gewöhnlich der von außen sichtbare Teil der inneren Schamlippen, wird hierbei mit einem Laser oder einem Hochfrequenz-Radiochirurgiegerät entfernt. Umfang und Ausmaß der Kürzung, also der Anteil des entfernten Gewebes und das erzielte Erscheinungsbild, variieren je nach Wunsch und werden zwischen Arzt und Kundin vorher ausgehandelt. Oftmals wird zusätzlich eine Kürzung der Klitorisvorhaut durchgeführt. Die Operation dauert zirka 30 bis 60 Minuten, zum Abschluss wird die Wunde mit resorbierbaren, das heißt sich selbst auflösenden Fäden vernäht. Nach der Operation kann es zu Schwellungen kommen, größere Komplikationen sind jedoch nicht zu erwarten. In der Regel tritt eine vollständige Heilung nach ungefähr 4 Wochen ein.
Eingriffe an den äußeren Schamlippen
Bei einer Verkleinerung (Liposuktion) wird ein ellipsenförmiger Schnitt entlang der gesamten Basis am Umschlag zu den inneren Schamlippen durchgeführt und Fettgewebe entfernt. Eine Volumenaugmentation, das heißt Vergrößerung, von äußeren Schamlippen kann durch eine Lipostruktur-Eigenfetttransplantation bewirkt werden.
Indikationen bzw. sonstige Beweggründe
Ein Motiv für die Durchführung kann die funktionale Beeinträchtigung bei hervorstehenden kleinen Schamlippen bzw. der Klitorisvorhaut sein. Bei einer sexuellen Dysfunktion und damit einhergehenden Orgasmusschwierigkeiten der Frau soll eine teilweise oder vollständige Entfernung der Vorhaut durch Freilegung der Klitoris die Stimulierbarkeit unter Umständen steigern und die Orgasmusfähigkeit der Frau erhöhen. Die Datenlage diesbezüglich ist jedoch noch unzureichend.
Operative Tumorentfernung und bestimmte Stoffwechselerkrankungen können eine Rekonstruktion der Vulvovaginalregion, also u.a. der Schamlippen, erforderlich machen.
In der Regel wird der Eingriff jedoch ästhetisch begründet, es handelt sich dann um eine Schönheitsoperation.
Viele Ärzte und Chirurgen sind jedoch gegen Operationen aus rein kosmetischen Gründen, da sie von ihnen als unnötig betrachtet werden und führen daher diese Operation nur bei Vorliegen der oben erwähnten funktionellen Beeinträchtigung durch.
Geschichtliche Entwicklung
Entstehung des Eingriffs und wachsende Nachfrage
Die Form des Eingriffs, nämlich die Entfernung der inneren Schamlippen und der Klitorisvorhaut, stellt in der Szene eine seit langem praktizierte Form der Modifikation dar. Wie viele andere hat auch diese ihre Wurzeln bei indigenen Völkern, vor allem in Afrika. Innerhalb der medizinischen Gemeinde wurden zwar vereinzelt seit den späten 1980er Jahren diese Eingriffe durchgeführt. Zu einem größeren Mainstreamphänomen wuchs es sich jedoch erst Ende der 1990er Jahre aus, zu einer Zeit, als auch andere Körpermodifikationen eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz fanden. Ursprünglich war die Hauptklientel Beschäftigte der Sexindustrie, zunehmend wurde jedoch auch die Normalbevölkerung angesprochen. Von Kalifornien aus breitete sich der Eingriff in den USA und später auch in anderen Regionen der westlichen Welt aus.
Gegenwart: Schamlippenverkleinerung als Modeoperation
Die Nachfrage nach dieser Form des plastisch-chirurgischen Eingriffs hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Allein im Jahr 2007 wurden in Deutschland geschätzte 20.000 ästhetische Eingriffe an den Schamlippen vorgenommen. In einer Umfrage einer amerikanischen Frauenzeitschrift gab rund ein Drittel aller befragten Frauen an, eine Schamlippenverkleinerung möglicherweise in Betracht zu ziehen (obwohl bei vielen der Frauen die Schamlippen nicht übermäßig vergrößert waren). In Großbritannien stellt der Eingriff den am schnellsten wachsenden Bereich innerhalb der plastischen Chirurgie dar, die Nachfrage nach einer Schamlippenverkleinerung stieg im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 300%, seit 2005 sogar um 700%.
Als Gründe für diese Entwicklung finden sich folgende Ursachen:
* Durch die zunehmend normalisierte öffentliche Präsenz von Nacktheit wird der Intimbereich generell verstärkt ästhetischen Normen unterworfen. Die Genitalregion wird ähnlich wie andere Körperregionen nach Schönheitsmaßstäben betrachtet, davon ausgehend, dass das „ästhetische Ideal die Form der Vulva einer jugendlichen Frau“ sei. Vergleichbar zur Schamlippenplastik nimmt in Europa auch die Beschneidung bei Männern zu, wobei auch hier ästhetisch-kosmetische Gründe eine Rolle spielen. Ebenso erfreuen sich, gerade in der jüngeren Generation, Intimpiercings einer wachsenden Beliebtheit. Auch dies gilt für beide Geschlechter.
* Weiterhin werden in vielen Erotik- und Lifestyle-Magazinen und im Bereich der Pornografie die inneren Schamlippen mittels Grafikbearbeitung entfernt oder die Frauen so fotografiert, dass diese nicht sichtbar sind. Auch sind viele Frauen, die professionell im Bereich Pornografie arbeiten, im Intimbereich operiert. Diese Darstellungen dienen Mädchen und Frauen jedoch als Vergleichsstandard. Die dargestellten Genitalien werden als Maßstab genommen, so dass sich ein falsches Normbild entwickeln kann.
Diese Infos basieren auf dem Artikel Schamlippenkorrektur aus Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren des Artikels verfügbar.